Digitalfunk und Alarmierung

Das BOS-Digitalfunknetz ist das weltweit größte Funknetz, das auf dem internationalen TETRA-Standard basiert. Mit diesem Funknetz verfügen die Einsatzkräfte der Polizeien, Feuerwehren, Rettungsdienste sowie weiterer Zivil- und Katastrophenschutzorganisationen über ein modernes und vielseitiges Kommunikationsmittel. Die Technik lässt eine organisationsübergreifende und bundesweite Verständigung zu und vereinfacht somit die Durchführung komplexer Einsatzszenarien – insbesondere auch in Krisenlagen und Katastrophensituationen.

Im digitalen BOS-Sprechfunk erhält jedes Endgerät eine eindeutige operativ-taktische Adresse (OPTA), die auch an alle empfangenden Geräte übertragen wird.[13] Damit werden die Funkrufnamen durch eine Anzeige im Display des Sprechfunkgerätes ergänzt.

Florian Northeim 20-42-50

Die POCSAG-Alarmierung wird im 70-cm- und im 2-m-Oberband nach dem so genannten POCSAG-Protokoll realisiert. Somit wird der BOS-Fahrzeug-Sprechfunkverkehr im 4-m-Band nicht durch die Alarmierungen belastet. Zum Empfang benötigt man einen digitalen Meldeempfänger. Der Alarm wird entweder in Form von einem Einsatzstichwort (zum Beispiel „Brandalarm“) oder in Form von präzisen Textnachrichten (Einsatzort, Ereignis, …) übertragen, so dass Rückfragen entfallen und die Einsatzkräfte wertvolle Zeit sparen. Es können auch gezielt nur bestimmte Gruppen alarmiert werden. So muss für den Einsatz einer Drehleiter nicht der gesamte Löschzug alarmiert werden. Weiterhin bietet die POCSAG-Alarmierung eine bessere Übertragungs- und Empfangsbereitschaft, zum Beispiel in Gebäuden. Im Gegensatz zur digitalen Alarmierung im 2-m-Band ist die digitale Alarmierung im 70-cm-Band deutschlandweit verfügbar und dementsprechend auslandskoordiniert, sie wird kommerziell zurzeit nur von eMessage angeboten.

Trotz der Bezeichnung „digitale Alarmierung“ findet die Übertragung auf einem analogen Funkkanal statt, es werden lediglich digitale Signale übertragen, ähnlich wie bei einem Fax-Gerät. Somit handelt es sich bei der POCSAG-Alarmierung nicht um Digitalfunk im eigentlichen Sinne.

Eine zweite Methode ist die laute Alarmierung über eine oder mehrere im Ort installierte Sirenen, welche auch zur Warnung der Bevölkerung im Verteidigungsfall, bei Unwetter- oder Umweltkatastrophen eingesetzt werden können. Allerdings verfügen in Deutschland nur noch rund 16 Prozent der Kommunen über Sirenen, die Anfang der 1990er Jahre nach Ende des Kalten Krieges im städtischen Bereich weitestgehend abgebaut wurden („White Paper BOS-Alarmierung“). Bei Feuerwehren, die nicht oder nicht vollständig mit Funkmeldeempfängern ausgestattet sind, ist die Sirenenalarmierung noch verbreitet. Allerdings ist auch hier die Entwicklung hin zur stillen Alarmierung zu beobachten. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen ist über die Sirenenalarmierung keine gezielte Alarmierung von einzelnen Kräften möglich (z.B. einzelne Gruppen einer Feuerwehr bei kleinen Einsätzen ohne großen Personalbedarf, nur Kräfte mit spezieller Ausbildung etc.), zum anderen können nur Einsatzkräfte per Sirene alarmiert werden, welche sich auch in deren akustischer Reichweite befinden. Die akustische Reichweite wiederum ist stark schwankend und von Windrichtung und Wetterlage abhängig und reicht von wenigen hundert Metern bis hin zu vielen Kilometern. Auch hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass eine laute Alarmierung durch Sirenen zahlreiche Schaulustige an die Einsatzstelle lockt, welche die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit oftmals behindern.

Die Sirenen werden von der Leitstelle über Funk, ebenso wie die Funkmeldeempfänger, durch eine 5-stellige Tonfolge oder einen Radio Identification Code ausgelöst. In einigen wenigen Fällen erfolgt die Auslösung auch noch über eine Telefonleitung. Teilweise ist auch ein Auslösen der Sirene per Druckknopfmelder möglich, der am Feuerwehrhaus angebracht ist. Nach Auslösen des Druckknopfmelders hat der Alarmgebende unbedingt vor Ort zu bleiben, um der Feuerwehr den Alarmgrund mitzuteilen.